Paulus hatte eine einschmeichelnde Stimme. Nur, wenn man ihm nicht zuhörte, konnte er pampig werden wie ein Kind. Aber da konnte er sich auf seine Gabriela verlassen. Denn in diesen Augenblicken war sie sofort zur Stelle und blitzte mit den Augen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn Gabriela mit der Zeit auch noch sein Gesicht verliehen hätte…
Kurz, Dr. Energie war der Typ eines Stellvertreters. Er war weder brillant, noch auffallend intelligent. Er hatte kein Charisma. Denn er suchte für sich immer nur den „weisen Führer“, dem er vertrauen konnte. Und wenn er diesen Führer gefunden hatte, vertraute er ihm blind. Das war schon gewöhnungsbedürftig.
Nun, Paulus gehörte zur Kriegsgeneration. Er wuchs ohne Vater auf. Das mag so manches erklären…
War es da also ein Wunder, dass man Dr. Energie gern als "rechte Hand" einsetzte? Bei ihm jedenfalls konnte man sicher sein, dass er nicht am eigenen Stuhl sägte. Und auf seine Loyalität war immer Verlaß. Denn wem sollte Paulus mehr vertrauen, als seinem „Führer“, der nicht nur sein Chef wurde. Es gibt Organisationen, auf die kann man sich verlassen, solange man für sie nützlich ist...
Nur so ließ sich Dr. Energie`s vermeintlicher Aufstieg erklären. An seiner Begabung lag es nicht.
Vielleicht, dachte ich oft, war er, Dr. Energie, bei der Verkündung seiner „Wahrheiten“ deshalb so penetrant. Dabei war er stur bis zur Selbstaufgabe.
Nach Außen hin jedoch wirkte Dr. Energie immer seriös. Er war sportlich gekleidet und trug nicht diesen Schlabberlook seiner Klienten. Aber nach Außen hin wusste auch niemand so Recht, womit Dr. Energie sein Geld verdiente…