Mit den Jahren erinnerte Dr. Energie an einen indischen Guru. Er hatte einen Bartwuchs, der sicher zweimal am Tag gebändigt werden musste.
Oder vielleicht erinnerte er doch eher an einen traurigen Afghanen ohne Auslauf. Ich hoffe sie kennen noch diese Hunde. Nun gut, Paulus war kein abgenagter Windhund, wenn auch sein graumeliertes Langhaar gepflegt aussah.
Kurz, Achselschweiß war bei Dr. Energie nicht zu vermuten. Und er trug auch keine Sandalen oder Wollsocken, die unangenehm qualmten. Denn er roch gut. Ich weiß zwar nicht wonach. Aber immerhin war es ein Duft in feiner homöopathischer Dosierung. Oder war es doch nur der Geruch eines Menschen, den die Welt vergessen hatte?
Wenn Dr. Energie seinen Mund hielt, konnte man kaum glauben, dass einen sein esoterisches Geschwätz so in Rage bringen konnte. Wenn sich aber die Gespräche nicht um Esoterik drehten, kam man mit ihm überhaupt nicht ins Gespräch. In seiner Nähe herrschte der Hospitalismus. Und wenn er überhaupt antwortete, sah er zu Gabriela, seiner zweiten Frau, die mit ihm über ihre Augen sprach wie mit einem Kind, dessen geistige Fähigkeiten man nicht überfordern durfte. Wenn dann aber Gabriela unmerklich nickte, beendete Dr. Energie seinen Satz, wenn er denn einen Satz begonnen hatte. Oder er lächelte nur wie ein nachsichtiger Guru:
„… bei vielen Menschen lohnt es sich einfach nicht zu widersprechen…“
Ich bin mir sicher, Dr. Energie hatte den Kurs der unendlichen Hingabe belegt…