Gabriela saß auf dem weißen Sofa in ihrem Salon und ordnete ihren Seidenschal. Einige Seminargäste standen um sie herum und suchten ihr Lächeln. Gabriela bewegte sich mit anmutiger Choreographie, als sei sie noch eine junge Frau. Dabei war Gabriela nicht einmal lebhaft und wer sie genau beobachtete, sah, dass sie lauernd hinter ihrer Fassade hockte. Dabei ließ sie ihre Augen blitzen, als sehe sie zu ihren Gästen auf. Ich aber hatte immer das Gefühl: sie blickte nur auf die Menschen herab.
Kurz, Gabriela führte immer das große Wort, als sitze sie einer Abendgesellschaft vor…
Dabei umgab sie doch nur Frau Birkenstock mit ihrem breiten Gesäß, die an ihrem Ehemann klammerte wie ein Efeugewächs. Und daneben stand das „Rübensüßchen“, das immer im Jammertal lebte. Und wenn sie weinte, weinte sie in Zimmerlautstärke. Und natürlich durfte in dieser Runde auch nicht die „Märtyrerin“ fehlen, die von ihrer Familie immer ausgenutzt wurde. Bei diesem leidenden Blick konnte man sicher sein, dass sie Dr. Energie gerade vom Kreuz abgenommen hatte. Und diese dürre „Yogatante“, die zwischen ihrem Kummer und ihren Tränen immer die richtige Balance fand, durfte natürlich auch nicht fehlen. Sie kam immer in Begleitung einer „Spinster“, die salbungsvoll daherschwätzte und maliziös lächelte. Für diese Frau war ein Händedruck schon eine obszöne Geste. Und dann war da noch diese „Dame“, die ihr Kostüm wie eine Uniform trug. Sicher war auch noch ihre Unterwäsche gestärkt. Und sie verzichtete nie auf ihre Handtasche. Ich wette darauf, dass ihre Tasche immer leer war. Aber immerhin wusste sie jetzt, wo sie mit ihren Fingern bleiben konnte. Vielleicht hatte sie sich auch so das Rauchen abgewöhnt. Wer weiß? Und dann stand auch noch diese junge Frau herum, deren Frisur immer so aussah, als sei sie rückwärts durch die Hecke gekrochen. Wenn sie ihre Lebensgeschichte immer wieder mit Sirup übergoss, musste sich dieses verhinderte Dornröschen nicht wundern, wenn ihr der Zucker im Hals stecken blieb. Und dann war da noch dieser junge Mann, dessen Kleidung zu jedem Requiem passte...
Dr. Energie und Jo aber standen immer am Rand der Gruppe und überließen Gabriela den großen Auftritt. Jo allerdings erinnerte mich an einen hungrigen Wolf, der sich sein Schaf aussuchte. In dieser Herde, die ihn blökend umgab, fand er sicher nicht nur ein krankes Tier…