Artikel von Rosemarie Arnold
Zum zweiten Frühstückstreffen in ihrem Jubiläumsjahr – dem 25. - hatte die Gießener Gruppe des Vereins Frühstückstreffen für Frauen in Deutschland am Samstagvormittag in den großen Saal der Kongresshalle eingeladen.
Die Referentin, Dr. Beate Weingardt, Tübingen, sprach zum Thema: „Glaube, Aberglaube, Esoterik – alles das Gleiche, oder?“. Dr. Weingardt ist ev. Theologin und Psychologin und nach 15 Jahren im Pfarrdienst heute als psychologische Beraterin, Referentin in der Erwachsenenbildung und Buchautorin tätig.
Ihren Vortrag begann sie mit der Definition des Wortes „Glauben“, das im Hebräischen „Vertrauen“, „sich jemandem anvertrauen“ bedeutet. Aberglaube dient im Gegensatz dazu sich durch Handlungen oder Gegenstände gegen (böse) Mächte zu schützen. Beispiele dafür sind das „Poltern“ am Abend vor der Hochzeit oder die Silvesterkracher, um böse Geister fernzuhalten oder das mit sich Tragen von Glücksbringern. In amerikanischen Hotels und Bürogebäuden fehlen häufig der 13. Stock oder das berüchtigte Zimmer 13. Auch im Christentum gibt es Aberglauben: Manch einer denkt ein guter Christ ist man, wenn man die 10 Gebote hält („Ich hab ja schließlich keinen umgebracht!“), an den Feiertagen den Gottesdienst besucht und Kirchensteuer bezahlt. Auch Bußleistungen wie Wallfahrten und Prozessionen zu vollbringen und die Fürsprache von verstorbenen Heiligen sind Aberglaube.
Die Esoterik schließlich, die ihren Ursprung in der New Age Bewegung der 70er Jahre in den USA hat, basiert auf der Aussage, dass das Wichtigste im Universum Energie ist, die sich in allem findet. Alles strahlt Energie aus: Sterne, Pflanzen, Steine, Menschen. Die Menschen sollen ihre schwachen Energiefelder an größeren Feldern aufladen. Solche Aussagen werden heute willig aufgenommen, denn immer mehr Menschen geht die eigene Kraft aus. Psychische Erkrankungen und Burnouts nehmen zu. Die Menschen sind mehr für sich selbst verantwortlich, die Geborgenheit in Großfamilien wie früher gibt es nicht mehr. Viele sind einsam und haben wenig echte Freunde. Die Esoterik verspricht „Du kannst alles, wenn du willst“. Umso größer ist die Verzweiflung, wenn das nicht funktioniert. Auch die traditionelle Kirche holt Menschen nicht wirklich ab. Oft wird die „Sprache Kanaans“ gesprochen, die Menschen werden nicht „mit allen Sinnen“ erreicht.
Das Christentum glaubt, ebenso wie die Esoterik, an eine höhere Macht, eben an Gott als Energiequelle und Schöpfer
und an Wunder und hat den Wunsch nach innerer und äußerer Heilung des Menschen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten: Bei der Esoterik gibt es „keine echten Probleme“, denn „es ist, wie es ist und so ist es gut“. Die Bibel nennt nicht alles gut und weiß um die Begrenzungen des Menschen. Nur durch Glauben und Vertrauen in einer echten Beziehung zu seinem Schöpfer kann sich der Mensch entfalten und Kraft tanken. Bequemer ist natürlich der Weg der Esoterik, denn wenn man glaubt, da ist kein Gott, dem man Rechenschaft schuldig ist oder der einem (gute) Grenzen setzt, kann man nicht an sich selbst oder anderen schuldig werden. Kurz gesagt: man ist Egozentriker und steht
selbst im Mittelpunkt des Lebens.
Der Gott der Bibel dagegen bietet sich uns als Gegenüber an. Durch den Kreuzestod Jesu, der unsere Schuld auf sich genommen hat, und seine Auferstehung ist der Weg für uns frei zu Gott. Man braucht keine magischen Objekte, sondern bekommt Kraft aus Gottes Geist. Dies gibt Entlastung und Geborgenheit: „Ich bin in Gottes Hand!“
Den musikalischen Rahmen des Frühstückstreffens gestalteten Schüler der Musikschule Gießen, darunter auch die Preisträgerin des letzten „Jugend musiziert“ Wettbewerbs, mit Gesang, Klavier und Querflöte. Durch das Programm führte Heidi Schmitt, Koordinatorin der Gießener Organisations-gruppe.
Frühstückstreffen für Frauen sind Forem, in denen Frauen über Lebens- und Glaubensfragen ins Gespräch kommen. Musik, Erfahrungsberichte, Referate und natürlich ein Frühstück in schön gestaltetem Ambiente sind Bestandteile eines jeden Treffens. In mittlerweile über 200 deutschen Städten und Ortschaften finden regelmäßige Frühstückstreffen statt. Die Organisation wird von Frauen aus verschiedenen Gemeinden vor Ort in ehrenamtlichem Engagement übernommen.
Originalartikel >>> http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/11094/glauben-aberglauben-esoterik-alles-das-gleiche-oder/
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