Der dicke Feldwebel
von Dr. Mathias Knoll
Herr R. hatte diesen gravitätischen Gang, den man von dicken Männern kennt. Dabei ruderte er mit seinen Armen, als sei er sein eigener Steuermann. Sein runder Kopf saß halslos auf seinen mächtigen Schultern und oft dachte ich: Immerhin hat er eine Haltung, auf die man ihn festlegen konnte...
Herr R. war ein Mensch von eisiger Höflichkeit. Und wenn er lächelte, musste man davon ausgehen, dass nur er allein die Gesetze des Lebens kannte.
Vor allem sein ruppiger Tonfall wurde jedem Feldwebel gerecht. Das war der Tonfall eines Aufsehers, der alles sieht, um es zu kommentieren.
Kurz, Herr R. hatte sich hochgearbeitet und er war stolz auf das, was er erreicht hatte. Wer also konnte ihn da schon aus der Ruhe bringen... ?!
Sollte da aber irgendeiner sein, der es wagte ihm diese Position streitig machen wollte, na, dann gute Nacht…!
Wenn man Herrn R. also sah, konnte man sich kaum vorstellen, dass er jemals als Angestellter gelebt hatte. Und er war auch nicht einer dieser Verzweiflungsfresser, die man so kennt. Aber in seinem Bauch ruhte auch nicht die Weisheit eines Buddhas.
Wenn ich also Herrn R. auf sein Übergewicht ansprach, lächelte er nur vierschrötig:
„ Alles Muskeln und Samenstränge …“
Nur bei der letzten Konsultation signalisierte sein Blick, dass er in Zukunft nicht mehr bereit war sich von mir derartige Bemerkungen gefallen zu lassen...
Beitrag von Dr. Mathias Knoll
Über mich: Lebe als Hausarzt im Sauerland. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. FAZ, Neue Züricher Zeitung, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt etc.
Betreibe gemeinsam mit Gerd Pater und Günter Preikschas das Kulturportal http://www.medeasy.de
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