Über die Wirkung oder Wirkungslosigkeit homöopathischer Arzneimittel, wird viel und oft unsachlich diskutiert.
Die verschiedenen Lager stehen sich, so scheint es, unversöhnlich gegenüber. Bei diesem Beitrag geht es aber nicht um die Klärung der Frage, ob die Homöopathie wirkt oder nicht. Es geht um einen herausragenden Vorteil homöopathischer Behandlungsweise. Denn die homöopathische Fallaufnahme (Anamnese) schützt, nach meiner Meinung und Erfahrung, vor dem Schubladendenken in der Diagnostik und Behandlung.
Wir alle haben bestimmte Schubladen in unserem Gedächtnisspeicher.
Sobald man sich zum Beispiel ins Auto setzt, zieht man die Schublade „Autofahren“ heraus.
In dieser Schublade befinden sich alle notwendigen Informationen, wie den Motor anlassen, Kuppeln, Gang einlegen, Gas geben und so weiter.
Aber auch unser Denken, wird gerne bestimmten Schubladen zugeordnet.
Die SPD ist links – deshalb ist der ohne jene Vorschlag links und wird von für gut befunden.
Die CDU ist rechts und nur für die Arbeitgeber – jeder Vorschlag wird sofort abgelehnt unabhängig von seiner wirklichen Qualität.
Was hat dies aber mit einer homöopathischen Anamnese, beziehungsweise mit der Diagnosestellung, zu tun?
Bei der homöopathischen Diagnostik geht es, entsprechend der Simileregel, darum, bei einem kranken Menschen, nach der klinischen Untersuchung, in ausführlicher Befragung ein vollumfängliches Beschwerdebild - von Kopf bis Fuß -, zu erfassen, das auch alle besonderen, individuellen Veränderungen der Patienten berücksichtig. Hierbei spielen nicht nur körperliche Beschwerden und Veränderungen ("Kopfschmerzen", "Gelenkschmerzen", "Juckreiz", etc.) eine Rolle Auch alle Modalitäten können von Belang sein. Hierzu gehören zeitlich regelmäßiges Auftreten von Beschwerden ("Kopfschmerzen, abends um 10 Uhr"), der Typus von Symptomen ("hämmernd, stechend, dumpf") oder Wechselbeziehungen zu anderen Ereignissen ("Wetterabhängigkeit", "Beschwerdeverschlimmerung bei Kontakt mit Menschen"). Auch Symptome im psychomentalen ("Weinerlichkeit") oder psychosozialen Bereich ("Zurückgezogenheit") werden beachtet.
Es ist diese ausgeprägte Gesamtschau des Menschen, welche die homöopathische Diagnostik grundlegend von der meist üblichen klinischen Diagnostik unterscheidet.
Die homöopathische Fallaufnahme oder Anamnese schützt somit zuverlässig vor dem angesprochenen Schubladendenken.
Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung.
Der Patient kommt wegen Rückenschmerzen der unteren Brustwirbelsäule in die Praxis.
Schublade auf:
Verspannung, Bandscheibe, ungewohnte körperliche Belastung. Therapie: Massage, Ultrakurzwelle, Neuraltherapie, Diclofenac.
Schublade zu.
Die Schmerzen verschwinden zunächst, kommen aber nach einer Woche wieder.
Schublade auf:
Verspannung, Bandscheibe, ungewohnte körperliche Belastung. Therapie: Massage, Ultrakurzwelle, Neuraltherapie, Diclofenac.
Schublade zu.
Die wirkliche Ursache, eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, wurde nicht erkannt.
Fazit.
Unabhängig von der Frage der Wirksamkeit homöopathischer Medikamente, ist der von Dr. Hahnemann entwickelte Weg, ein spezifisches homöopathisches Arzneimittel zu finden, an sich schon eine herausragende Leistung von ihm, die auch seine Gegner anerkennen könnten, denn er führt zu einer größeren Treffsicherheit bei der Diagnosestellung.
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