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Amen - oder ist Integration eine Lösung?

Wir glauben, was wir sagen. Das behaupten wir zumindest. So, als müssten wir uns gegenseitig schonen. Wir kennen uns zu gut, um uns für gut zu halten. Gefangen in einem Wechselspiel von Schutz und Selbstschutz schweigen wir uns aus, obwohl wir ständig reden. Wenn Du dazugehören willst, musst Du einen fremden Text nachbeten. Und je länger Du sprichst, um so eher musst Du erstaunt sein, dass es Dich überhaupt noch gibt. Dein eigener Text aber ist schon lange auf der Strecke geblieben.
Kann man mit diesen Menschen Staat machen? Um eine Antwort ist der Mensch selten verlegen. Warum soll er da noch Fragen stellen?
Und doch, der Mensch wird erst zu dem, was er ist, durch den anderen Menschen. Das Weltbild auf ein oder zwei Grunderfahrungen gestützt, das soll reichen. Jeder hat eine Meinung ohne Genaueres wissen zu wollen. Schnell gibt man sich mit einfachen Antworten zufrieden. Das nennt sich dann Weltanschauung. Am besten passt dieses Bild dann auch noch in ein Passepartout. Wie soll man da kritisch mit Entscheidungen umgehen?
Eine Gesellschaft, die sich nicht darum bemüht Fragen neu zu stellen, weil sie glaubt, die Antworten zu kennen, wird hilflos und zynisch. Geschlossene Denksysteme, die das Fragen vernichten, sind beliebt wie flott inszenierte Kinofilme. So lassen sich Lösungen gut versprechen - Amen.

Beitrag von Dr. Mathias Knoll

Über mich: Lebe als Hausarzt im Sauerland. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. FAZ, Neue Züricher Zeitung, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt etc.

Betreibe gemeinsam mit Gerd Pater und Günter Preikschas das Kulturportal http://www.medeasy.de

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