Kommentar zu einem Beitrag über Vorbilder!
Der kommentierte Artikel:
Es ist völlig in Ordnung, sich an Mitmenschen zu messen.
Vorbilder aus unserer Verwandtschaft dienten unseren Eltern als Erziehungshilfe.
Wenn wir dieses oder jenes tun, brav lernen und immer folgsam sind, werden wir so erfolgreich wie Onkel Otto.
Wenn wir dieses oder jenes nicht lassen und nicht hören wollen, wird es uns genauso schlecht ergehen wie Tante "Duweißtschonwie". Ihren richtigen Namen sprach niemand in der Familie mehr aus. Später haben wir uns dann eigene Vorbilder gesucht.
Selbst Pflanzen sollen Vorbilder haben. So berichtete mir ein alter Förster, dass auf Flächen die abgeholzt werden einige der schönsten und höchsten Bäume stehen bleiben durften. Diese Bäume sollten den neu gesetzten Bäumchen als Vorbild dienen.
Frei nach dem Motto: "Seht Ihr, so schön und groß sollt Ihr auch einmal werden!“
Diese kleine Geschichte des Försters fiel mir ein, als ich zufällig Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei recht übergewichtigen Damen wurde.
"Schau mal Erika, so dick wie die da sind wir doch noch lange nicht", wobei sie mit ihrem Löffel auf eine am Tisch vorbeigehende sehr korpulente Frau deutete. Unter dem bestätigenden Nicken ihrer Begleiterin versenkte sie dann den als Zeigestock missbrauchten Löffel in ihrem Eisbecher und anschließend in ihrem Mund.
Sie können selbstverständlich über dieses Verhalten lächeln.
Aber haben Sie sich nicht auch schon bei solchen Vergleichen ertappt?
Sie werden nichts erreichen, wenn Sie sich an Personen messen, die übergewichtiger sind als Sie. Das Gegenteil ist der Fall, denn Sie werden langsam aber sicher weiter zunehmen. Schließlich finden sich immer wieder Menschen, die dann wieder dicker sind als Sie.
Suchen Sie sich positive Vorbilder!
Orientieren Sie sich bei der Auswahl Ihrer Vorbilder an Personen, die in etwa ihrer Größe und Konstitution entsprechen.
Es ist völlig sinnlos, einem Bild hinterher zu jagen, das man nie erreichen kann. Wenn Sie einen kräftigen Knochenbau haben, werden Sie niemals die Figur eines abgemagerten Models erreichen.
Sehen Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis um. Sicher finden Sie dort Personen, die einige Kilo leichter sind als Sie.
Auch wenn Sie 20 oder mehr Kilo abnehmen wollen, sollten Sie anfangs nicht zu große Abstände zu Ihren Vorbildern haben. Dies gilt für das Gewicht und auch für das Alter.
Kommentar von Dr. Mathias Knoll zu obigem Artikel:
Im Sinne einer Gesellschaft, die den Diskurs sucht, ergänzen sich im besten Fall „Vorbild“ und „Tradition“. Aber leider haben inzwischen beide Begriffe einen heftigen Beigeschmack, da diese Begriffe jahrzehnte lang politisch missbraucht wurden. Die Kinder der Generation, die den Wertekatalog der Eltern in Frage stellte ( 68 usw) - gegen was sollten die sich noch wehren, wenn schon ihre Eltern diese „Arbeit“ erledigt hatten? So konnte für diese neue Generation eine Tradition, der sie sich nicht mehr verpflichtet fühlten, nicht zur Tradition werden. Und Gleiches galt auch für ihre Vorbilder usw.
In dieses Vacuum stieß sehr geschickt die mediale Welt mit ihren „Erlösungsangeboten“. Sie verstehen es ihre „Vorbildern“ als unsere Vorbilder mediengerecht zu präsentieren und scheuen sich nicht vor dem Fake, wenn es nur gut aussieht. Und da diese „Vorbilder“ in der Regel nur normativen Charakter im Sinne der Optik haben (u.a.Kleidergröße usw) muß das, was man ursprünglich als „Tradition“ verstand, alt aussehen. Und somit ersetzen vorgegebene ästhetische Kriterien das, was den Menschen als Mensch ausweist- sein freier Wille. In meinen Augen ist das eine Art von Propaganda. Aus diesem Grunde freue ich mich über jeden, der die Normen verletzt ohne den anderen Menschen zu verletzen.
Der Rekommentar vom Autor Siegfried Müller:
Lieber Herr Dr. Knoll,
was ich an Ihren Beiträgen schätze sind ihre offenen, kritischen, unangepassten und liebevoll bearbeiteten Worte. Aus Ihrem Beitrag Erfolg: „Dabei habe ich meine Worte so liebevoll bearbeitet wie ein Tier, das seine Jungen leckt.“ Deshalb möchte ich Ihnen für Ihren Kommentar danken.
Dieser Dank, entspringt reiflicher und nicht ganz unangestrengter Überlegung, wie ich ihren Kommentar bewerten sollte.
Phase 1:
He, was soll das. Vorbilder sind doch nicht schlecht.
Phase 2:
Einfach ignorieren
Phase 3:
Kommentar nochmals langsam lesen und jedes Wort bedenken.
Phase 4:
Frage, welche Aussage beinhaltet Ihr Kommentar?
Die möglicherweise nur für mich gültige Erkenntnis:
Wer sein eigenes Selbst, nur durch die Nachäffung von Vorbildern zu finden versucht, wird sich niemals selbst finden und bleibt ein Niemand unter all den vielen Niemanden dieser Welt.
Nochmals, vielen Dank für Ihren Kommentar und ich wünschte mir dass noch viele Kommentare zu diesem wichtigen Thema folgen.
Darufhin dachte ich mir diese Geschichte aus.
Es war einmal eine Schnur. Schlank, bunt und von einer gewissen Länge. Sie war alles, was man von einer Schnur erwarten konnte. Sie eignete sich zum Schuhe binden, konnte ein Paket verschnüren und erfüllte alle Anforderungen, die man eine Schnur stellen konnte. Manchmal schlang sie Knoten um sich selbst, die sie aber immer aus eigener Kraft löste.
Anders verhielt es sich mit Knoten, die von ihrer Umwelt in sie geschlungen wurden.
Diese Knoten waren schwerer zu lösen. Je mehr sie versuchte, diese Knoten abzustreifen, umso stärker nahmen sie von ihr Besitz.
Ein besonders fester Knoten war der Vorbildknoten.
Nehme dir ein Beispiel ……..
Du bist nur eine Schnur, werde wie ……….., dann bist du etwas wert.
So verlor sie nach und nach ihre Identität. Sie konnte keine Schuhe mehr binden und auch die anderen Aufgaben, welche sie so wertvoll gemacht hatten, verloren ihren Wert für sie.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit, diesen Knoten aufzulösen begegnete Sie einem Maßband.
Das ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft, dachte sie. Es zeigt den anderen wo es lang geht und wie groß sie sind. Ich möchte werden wie dieses Maßband.
Also sprach sie das Maßband an: „Ich möchte werden wie du, was muss ich tun!“
„Nun, zunächst musst du wissen wie groß du bist. Ich kann es dir sagen.“
Also verglichen sie sich miteinander. „Du bist 150 cm. lang, da musst du dich aber noch anstrengen, um meine Größe von 200 cm zu erreichen.“
Diese Überheblichkeit des Maßbandes, führte dazu, dass die Schnur erkannte, dass niemals die Größe der anderen zählt , sondern nur die eigene Größe.
"Ich bin eine Schnur, bin 150 cm lang, kann Schuhe binden, Pakete schnüren und damit etwas, was das Maßband nie können wird.
Ich bin eben anders, und das ist gut so."
Anmerkung:
Man kann sich zwar in seinem Verhalten an Vorbildern messen, aber wer Vorbilder zum Maßstab seines eigenen Ich`s macht, wird scheitern.
"Die Schnur möchte wissen, wie lang sie ist. Der Maßstab kann es ihr zeigen. Aber die Schnur wird niemals ein Maßstab werden, und immer Schnur bleiben."
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