Auf meine Fragen versuche ich Antworten zu finden. Abspeisen lasse ich mich nicht. Das Räderwerk der unverrückbaren Tatsachen ziehe ich nicht auf. Selbst dann nicht, wenn Du mir den Schlüssel dazu anvertraust...
Wie viel Konsens benötigt die Gesellschaft der Menschen? Schnell wird aus der Zustimmung die Diktatur der Übereinstimmung. Oft herrscht hier nur noch das gleichgültige Hinsehen und das ängstliche Wegsehen. Wer will sich da noch gegen die Mehrheit stellen? Die Mehrheit weiß, wen sie unterstützen oder ablehnen muss.
Wo also verlaufen die Grenzen, die wir bereitwillig akzeptieren? Und welche Zielsetzung könnte für uns verbindlich sein? Immer wieder müssen wir uns neu über Spielregeln einigen: Denn sonst zerstört die alles verschlingende Normalität die Normen, auf die wir uns mühsam geeinigt haben, selbst wenn wir uns nicht einigen wollten...
Kurz, wie viel Tradition und Autorität ist notwendig für ein Individuum, dessen Anspruch die eigene Grandiosität ist ohne an den bodenlosen Absturz zu denken.
Ich möchte meine Worte so setzen, dass jeder Satz meine Gedanken berührt. Nur so lerne ich meine Gefühle neu zu überdenken. Gleichzeitig versuche ich mich zu ändern, als ließe sich so der Wandel der Welt beeinflussen. Wie nah könnten wir uns sein, wenn ich mich vor Deiner Nähe schütze?
Mehr über...
konservativ (1)Warum soll ich also nicht konservativ sein? Das hat nichts mit Rechts oder Links zu tun. Aber es muss doch erlaubt bleiben zu fragen: Welche Maßstäbe braucht der Mensch? Und welche Kriterien, um ihn vor seiner Intelligenz zu schützen?
Aber eine Welt, die ihren Maßstab im Superlativ sucht, verliert den Blick für das Maßvolle. Der Wunsch nach Differenzierung macht verdächtig. Wie kann man da noch selbstkritisches Verhalten erwarten?
Die Welt produziert trotz ihres vermeintlichen Fortschrittes zunehmend offene Fragen. Wo bleiben die Leitlinien, an denen wir uns orientieren können?
Es gibt keinen Fortschritt, sondern nur Ziele der Entwicklung, die vom Menschen definiert werden. Für die unlösbaren Probleme der Welt aber werden immer wieder anonyme Mächte verantwortlich gemacht. So, als gebe man vor, schon auf höchstem Niveau gescheitert zu sein. Eine bequeme Gedankenlosigkeit, um sich gegenseitig bis zum Verlust der Würde zu korrumpieren.
„Dagegen kann man sowieso nichts machen“, sagt der Volksmund und lächelt Schicksalsergeben. Mit derartigen Parolen beginnt der Niedergang des Menschen. Anämische Geister ohne Herzblut.
Oder fühlen sich die Menschen nur dann wohl, wenn sie glauben ihrem Schicksal ausgeliefert zu sein? Denn wer wollte sich gegen anonyme Mächte auflehnen? Dumme Sprüche kommen immer wieder zu Ehren.
Wenn Du aber nichts erwartest, dann herrscht das Prinzip: Gleichgültigkeit. Ein Zustand, in dem Du alles akzeptierst, was inakzeptabel sein müsste. Das gilt um so mehr, wenn sich die Umstände den Sachzwängen anpassen. Das Kausalitätsbedürfnis des Menschen ist da sehr strapazierbar. Und niemand vergisst so schnell wie der Mensch.
Wenn Du also glaubst alles begründen zu können, weil Du nichts begründen willst - warum sollst Du Dich da ändern wollen?
Beitrag von Dr. Mathias Knoll
Über mich: Lebe als Hausarzt im Sauerland. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. FAZ, Neue Züricher Zeitung, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt etc.
Betreibe gemeinsam mit Gerd Pater und Günter Preikschas das Kulturportal http://www.medeasy.de
Ihre Meinung?
Für ein Bookmark bedanken wir uns herzlich!