Sparen durch Sozialabbau


Ein offener Brief an Frau Merkel

Offener Brief zu den geplanten Sozialkürzungen
Sehr geehrte Frau Merkel! Wachtberg bei Bonn, 7.6.2010

Ich habe bisher eine hohe Meinung von Ihnen gehabt.
Leider muss ich die in Anbetracht der heutigen Meldungen revidieren.

Wie passt es zusammen, über die niedrige Geburtenrate zu jammern -
und im selben Moment das Elterngeld zusammenzustreichen und für Hartz 4-unterstützte Eltern (die staatlich anerkannt armen Eltern!) ganz streichen zu wollen???

Wie sollen Eltern das Kinderbett, Windeln, Anziehsachen, Spielzeug, usw. bezahlen?
Man braucht eine größere Wohnung mit Ausstattung, Kinderwagen, Autokindersitz.
Kinder müssen umsorgt und beschäftigt sein. Und das über Jahre.
Ansonsten ist die Zukunft auch unserer Gesellschaft dunkel.

Spricht Ihr Parteiprogramm nicht von Familienförderung?
Sind Sie nicht eigentlich christlich und sozial?

Die sozialen Unterschiede in Deutschland sind bereits riesig -
und bieten gewaltigen gesellschaftlichen Sprengstoff!

Milliardenbürgschaften und –beträge gehen, von Ihnen beschlossen, an Banken und nach Griechenland. Allerorten wird abgerissen und neu („modern“) gebaut.
Für die EU werden Milliarden ausgegeben.
Die Verwaltung und auch der "Politikzirkus" verschlingen Riesenbeträge.
Wenn ich allein die "Protzbauten" in Berlin ansehe (in denen Sie residieren).

Was kostet beispielsweise eine Politikerreise inklusive Flug, Unterkunft, Security, usw.?

Was kosten die Verhandlungen und das "Trara" um die Gesundheitspolitik?
Den Gesundheitsfonds (und damit den Einsatz gewaltiger Steuermittel für Gesetzesänderungen, Verwaltung, Geldverschiebungs- und Verrechnungsaufwand – NICHT FÜR GESUNDHEIT!!!)  hätte man gar nicht erst einführen sollen.
Es wäre erheblich günstiger - und qualitätsmäßig auch nicht schlechter gekommen.

Wie hoch sind die Bezüge und Aufwendungen (+ Fahrtkosten, Unterbringung, Verpflegung, usw.) allein für die 70 Politiker und andere Personen, die sich beispielsweise für den "Runden Tisch" in Berlin für 4 Stunden ohne große Ergebnisse zusammensetzten?
(Ich sage damit nichts Negatives über den Runden Tisch; aber es ist ein Beispiel.)
Oder die der "hohen Herrschaften " für die Verhandlungen zur "Gesundheitsreform?

Im Vergleich mit diesen Beträgen sind die im sozialen Bereich einzusparenden Beträge "Peanuts"!

Geld, das arme Menschen zur Unterstützung bekommen, fließt SOFORT wieder in den Wirtschaftskreislauf - für Miete, Telefon, Essen, Bekleidung, Einrichtung.
(Längst nicht alle Hartz 4-"Empfänger" bekommen die Miete + NK'en übernommen!)

Die Kindergelderhöhung, derer sich die Regierung rühmt, fällt gutverdienenden Eltern (ALLE bekommen das Geld) kaum auf, es bleibt auf dem Sparkonto liegen.
Für arme Eltern KÖNNTE das Geld die Rettung aus der Schuldenspirale sein -
wenn sie es denn bekämen!

Gleichberechtigung? Gerechtigkeit? Chancengleichheit???

Menschen, die per Hartz 4 unterstützt werden, haben wahrlich kein glänzendes Leben.
Sie sind überall - mangels Geld - ausgegrenzt.

Sie sind dauernde Bittsteller auf den Ämtern -
und müssen dort (und an den Telefon-Hotlines, die ewige Warteschleifen haben) ständig herablassende Behandlung erfahren und erdulden (erleiden!!!).
Das ist sehr demütigend! („Würde des Menschen“?!)

Der Gesundheits- und seelische Zustand dieser Menschen ist schlecht durch die dauernde Not, ohne Hoffnung auf Besserung.
Ein Schwimmbad- oder Kinobesuch, etwas Abwechslung im Alltag, ist nicht bezahlbar.
Ebenso wie die Mitgliedschaft im Sportverein, ein Besuch in Konzert oder Theater, ein Ausflug, ein Bier, Cola, Saft oder Wein in der Kneipe, was für uns selbstverständlich ist.
Eine neue Waschmaschine – die Alte ist kaputt – aber woher? Wie bezahlen?

Geburtstagsgeschenke für Kinder (für die eigenen und bei Einladungen), neue notwendige Turnschuhe, Hosen oder Socken (die Alten sind zu klein oder haben Löcher!), der Schulausflug, ein zusätzliches (Schul-)Buch, Musik- oder Tanzunterricht, ein Schwimmbad- oder Freizeitparkbesuch, gar ein Computer (für www.-Teilhabe) – leider nicht möglich.

Ein Kinderleben in Armut bedeutet dauernde Demütigung und Ausgrenzung.

Das ist auch für die Eltern nicht leicht zu ertragen, die ihre Kinder LIEBEN.
„Dauerkampf“ gegen die Hoffnungslosigkeit ist angesagt.

Mancher hält nicht durch, „flüchtet“ in Alkohol, Tabletten, zügellosen Sex, Gewalt, Selbstmord! Wen kümmert das denn?
(Die Politik, „Papa Staat“ leider offenbar am allerwenigsten...).

Zahnersatz und Brille können nicht bezahlt werden.
Man sieht Menschen heute bereits die Armut an.

Der hohe Anteil der Kinderarmut ist schockierend. Überall wird das beklagt.

Ist das Ihre Reaktion darauf? Halten Sie das wirklich für angemessen?

Schnallen Sie mal selbst den Gürtel enger, in Verwaltung und Politik!
Kommen Sie bitte runter vom „hohen Ross“ - es kann so nicht gut gehen!

Was soll denn werden, wenn es demnächst keine Kinder mehr gibt, weil die potentiellen Mütter in Gebärstreik gehen?
Bei dieser allgemein fehlenden Anerkennung ihrer Leistungen.

Sollen die Banken dann Kinder produzieren? Oder der Import aus Griechenland erfolgen?

Keine Kürzungen bei Kindern und Familien!

Eltern brauchen viel Kraft für das Elternsein.
Die Politik muss das unterstützen -
(Grundgesetz Art.6, es gibt auch ein Grundrecht auf Kinder!) und darf nicht weiter bei den bereits Armen kürzen!!!

Wer soll später Ihre Pension bzw. Renten erwirtschaften???

Sie haben ja keine Kinder, warum auch immer. Gut für Ihre Aussichten im Alter!
Im Gegensatz zu den Eltern mehrerer Kinder, die vollen Einsatz in deren Erziehung und gutes Aufwachsen gesteckt haben.
Für die spätere Rente heißt's da leider "Fehlanzeige" (bzw. Minimalbeträge)!
Kinderarmut setzt sich in Altersarmut (zunächst der Elterngeneration) fort!
Wer kümmert sich um diese Menschen?
Und auch um die, wo Krankheit oder Schicksalsschläge "dazwischengekommen" sind?

Arbeiten Sie und Ihre "Politikkollegen" mal stundenweise ehrenamtlich (ohne jede selbstverständliche Bezahlung!!!) bei der "Arche", bei einer Tafel, Wärmestube, Hausaufgabenhilfe, Sozialberatung oder anderen sozialen Einrichtung, denen immer mehr die öffentlichen Zuschüsse versagt werden, mit!

Sie machen die Gesellschaft menschlicher - ein Tropfen auf dem heißen Stein!


Vielleicht (und hoffentlich!!!) bekommen Sie dann wieder mehr "Bodenhaftung".

Wenn sich nichts ändert, sehe ich auf Dauer rabenschwarz für unsere Gesellschaft und unser Land!

Almut Rosebrock, Mutter zweier Kinder, Apothekerin
Aktionsbündnis "Gerne leben mit Kindern"
Wachtberg bei Bonn, Tel. 0228/340926
www.glmk.de


Übrigens: Dieser Offene Brief wird an zahlreiche Mitleser geschickt und kann gerne weiterverbreitet werden. Setzen wir uns mit unserer Kraft für die Ärmsten der Armen ein, die selbst keine Stimme haben!    DANKE DAFÜR!


A. Rosebrock


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