Wieviel Tote sind sozial verträglich?
Die Schätzungen, wie viele Todesfälle durch Arzneimittel-Nebenwirkungen verursacht werden, sind oft übertrieben hoch. „Am realistischsten erscheint uns die Hochrechnung von 16.000 Toten pro Jahr in Deutschland“ sagte Prof. Volker Dinnendahl.
Ach, nur 16 000 Tote durch falsche Arzneimittelgaben oder durch doe Nebenwirkungen von Medikamenten?
Wozu sich also aufregen?
Andere Bericht schreiben, dass, wenn man alle Medikamente und damit auch die Nebenwirkungen vom Markt nimmt, sich die durchschnittliche Lebenszeit um gerade mal 48 Minuten verlängern würde.
Allerdings würde sich die durchschnittliche Lebenserwartung um 15 Jahre verkürzen.
Soweit die Statistik.
Wozu also aufregen?
Noch eine Statistik: Für 2007 zählte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden 4970 Verkehrstote, 2,4 Prozent weniger als 2006.
Wir schaffen ja auch nicht die Autos ab.
Die Geschichte
Nebenwirkungen sichern Gewinn und Umsatz der Pharmaindustrie auf dem Planeten X.
Diese Geschichte spielt in einem fiktiven Land – auf einer fiktiven Welt in einer fiktiven Pharmafirma. Mit anderen Worten – diese Geschichte ist nicht wahr und kann sich deshalb auch nicht auf reale Personen oder irgendwelche realen Firmen beziehen. Rückschlüsse jeder Art auf die Realitäten unserer Welt bleiben den Lesern selbst überlassen.
Hilfreich für die Bildung der eigenen Meinung ist sicher das Buch von Markus Grill „Kranke Gescäfte"
Die Geschichte erdacht und geschrieben von Xyl.
Wer ist Xyl? >>> Impressum
Renuag, der Chef der gleichnamigen Arzneimittelfirma - Renuag PG - hat eine schlechte Woche hinter sich. Die neuesten Umsatzzahlen seiner Firma zeigen nach unten, wie schon seit Monaten, so dass in diesem Jahr wohl keine Gewinnausschüttung an die Gesellschafter der Profit Gesellschaft (PG) erfolgen kann. Ja, die Zahlen sind so schlecht, dass er um das Überleben der Firma bangen muss, falls es ihm nicht gelingt, zur Gesellschafterversammlung in 4 Triaden, ein erfolgversprechendes Konzept vorzustellen.
Eine Lösung für dieses Problem muss gefunden werden, koste es was es wolle.
„Wofür bezahle ich eigentlich meinen Produktmanager? Soll der sich doch einmal Gedanken machen, wie die Verkaufzahlen unser Medikamente gesteigert werden können.“
„Herr Xant, sie sollen dringend zum Chef kommen“ begrüßt die Sekretärin den gerade ins Büro kommenden Produktmanager.
Belauschen wir nun das Gespräch.
„Herr Xant, kennen Sie eigentlich unsere Umsatzzahlen?“
„Natürlich, sie sind bei allen Medikamenten rückläufig.“
„So, und was gedenken Sie dagegen zu tun? Wofür bezahle ich Sie überhaupt?“
„Nun, wir haben den Werbeetat erhöht und versuchen über attraktive Fachfortbildungen auf dem Urlaubsplaneten Ka, die Behandler zu veranlassen, unsere Produkte zu verordnen.“
„Fällt Ihnen nichts Besseres ein, als die Kosten zu erhöhen? Machen Sie sich einmal Gedanken, wie wir möglichst kurzfristig Erfolge sehen.“
„Ich wollte sowieso bei Ihnen vorsprechen, Herr Renuag, um Ihnen eine Idee vorzutragen, wie wir die Verkaufzahlen unserer gesamten Produktpalette steigern können.“
„Da bin ich aber gespannt, was mein Produktmager für Ideen hat!“
"Wir haben doch vor gut einem Trion einen Wirkstoff gegen Depressionen entwickelt.“
„Ich weiß, ausgezeichnete Wirkung, aber hatte der nicht zu viele Nebenwirkungen und haben wir deshalb das Projekt nicht weiter forciert?“
„Ja ich weiß, aber genau um diese Nebenwirkungen geht es bei meinem Vorschlag. Unser Produktpalette deckt doch diese Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Schwindel oder Leberstörungen ab.“
„Ich glaube zu verstehen“
„Ich habe mir gedacht, wenn wir dieses Mittel doch noch auf den Markt bringen, können wir, in diesem Zusammenhang auch unsere Produkte, gegen die auftretenden Nebenwirkungen, verstärkt bei den Behandlern bewerben.“
„Herr Xant, die Idee gefällt mir, wir haben ein Mittel, welches gegen Depressionen hilft und gleichzeitig die Mittel, gegen die möglicherweise auftretenden Nebenwirkungen. Ich glaube, dass wir bei der Aufsichtskammer unser Mittel durchsetzen können. Das Argument, dass die Risiken durch den Nutzen des Wirkstoffs aufgehoben werden, hat schon immer funktioniert.
Sie haben freie Hand und halten Sie mich auf dem Laufenden.“
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Tell-A-FriendDie Wirklichkeit
Tatsachen aus unserer Welt.
Die nachfolgenden Berichte brachten mich auf die Idee, diese >>> Geschichte zu schreiben.
Schätzungen zu Arzneimittel-Nebenwirkungen oft übertrieben hoch
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
(Verbandspresse, 24.06.2005 09:44)
(Berlin) - Die Schätzungen, wie viele Todesfälle durch Arzneimittel-Nebenwirkungen verursacht werden, sind oft übertrieben hoch. „Am realistischsten erscheint uns die Hochrechnung von 16.000 Toten pro Jahr in Deutschland“ sagte Prof. Volker Dinnendahl, Leiter der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker, bei einem Presseseminar der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Hamburg. Diese Schätzung basiert auf einer Untersuchung aus den Jahren 1986 bis 1998, bei der in vier Krankenhäusern in Bremen die Krankenhauseinweisungen erfasst wurden, die durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht wurden.
Magdalene Linz, Präsidentin der Bundesapothekerkammer: „Die teilweise genannten sehr viel höheren Zahlen stammen in der Regel aus ausländischen Studien, die für Deutschland umgerechnet wurden. Ein solches Verfahren ist aus meiner Sicht äußerst fragwürdig.“ Verschiedene Länder und Gesellschaften haben unterschiedliche Traditionen im Umgang mit Arzneimitteln. Ein Beispiel: Während in Deutschland zur Vorbeugung von Herzinfarkten 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS) gegeben werden, nimmt man in USA in der Regel 350 Milligramm. Damit steigt die Gefahr von Magenblutungen und -geschwüren deutlich. Deutschland ist zudem eine Hochburg der „sanften Medizin“: Phytopharmaka und Homöopathika sind oft besser verträglich als synthetische Wirkstoffe.
Nebenwirkungen werden nicht nur durch den Wirkstoff, sondern auch durch den Menschen verursacht. Beispiele sind falsche Dosierungen und die Nichtbeachtung von Kontraindikationen oder Wechselwirkungen. „Die ABDA will erfassen, wie häufig arzneimittelbezogene Probleme vorkommen. Dazu haben wir Apotheken aufgerufen, eine Woche lang alle Zwischenfälle zu dokumentieren“ sagte Linz. Die Auswertung ist in Arbeit, die ABDA wird sie der Öffentlichkeit so bald wie möglich präsentieren.
Zusatz
Auszug aus „140 000 Behandlungsfehler jährlich“ Süddeutsche Zeitung >>> http://www.sueddeutsche.de/wissen/777/424536/text/
Arzneimittel zu geben ist ein Hochrisikoprozess", sagt Daniel Grandt von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen schätzt in seinem Gutachten 2007, dass in Deutschland 80.000 Patienten jährlich wegen Nebenwirkungen ins Krankenhaus müssen - 40 Prozent der Fälle wären vermeidbar, vermuten Experten.
(SZ vom 16.11.2007/mcs)
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